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Der Begriff Fasnacht leitet sich vom christlichen Begriff des „Fastens“ ab und bezeichnete ursprünglich den Abend und die Nacht vor Beginn der Fastenzeit. Gemeint war damit also der Dienstag vor dem Aschermittwoch. Im Mittelalter dehnte sich diese Nacht bzw. dieser Tag schließlich über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen aus. In den meisten Regionen und Gemeinden ist der Beginn um den 6. Jänner – Dreikönig – gelegt.

Zusätzlich sind auch offensichtliche Zusammenhänge der Volksfastnachten mit höfischen Festen wie z.B. mit den "Mummereyen" Kaiser Maximilians oder spätmittelalterlichen Volksschauspielen gegeben. Bei genauerer Betrachtung der Reliefs am Goldenen Dachl erkennt man neben Hofnarren auch Figuren in wilden Tanzbewegungen sowie abgerichtete Affen und Bären. Von den durchs Land ziehenden Schaustellern wurden auf Märkten oft Affen und Tanzbären zur Schau gestellt.

Hofnarren und andere mit „Hutten“ verkleidete Gesellen feierten ausschweifend, machten so manchen Streich und traktierten Leute auf den Straßen. Diese als „Huttler“ (von „Hutten“, „Hadern“ oder „Lumpen“) bezeichneten Zeitgenossen waren wohl der Ursprung des heutigen „Huttler-Laufens“.

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Das Ende der Fastenzeit markierte auch den Übergang vom Winter zum Frühling, weshalb in vielen Fastnachtsbräuchen Elemente eines Winteraustreibens zu finden sind. Bräuche dieser Art sind beispielsweise das „Aperschnalzen“ (aper = schneefrei) oder das sogenannte „Mullen“, wofür die MARTHA-Dörfer – fünf Dörfer zwischen Innsbruck und Hall in Tirol – als Ursprung gelten. Volkskundler sind sich zumindest darin einig, dass dieser Brauch zu den ältesten unseres Landes zählt. Worte wie „Larve“ oder „Scheme“ sind bereits im 12. Jahrhundert bekannt und gebräuchlich.

Im Mittelpunkt des „Muller-Laufens“ stehen – nach den gängigen Überlieferungen - die vier Jahreszeiten. Die Gewänder, Larven und Bewegungen der einzelnen Figuren verkörpern die einzelnen Jahreszeiten. Am Ende eines jeden Auftritts legt sich die Winterfigur kniend nieder, während die Frühlingsfigur auf dessen Oberkörper steigt und somit der Frühling sinnbildlich den Winter vertreibt.

Die Fasnacht kann somit als eine Phase der Ausschweifung, des Schauspiels und der Narrheit vor der Fastenzeit angesehen werden, die den Menschen einmal im Jahr ermöglicht, in eine andere Rolle zu schlüpfen und "verkehrte Welt" zu spielen beziehungsweise die Rückkehr des Frühjahrs zu feiern. Ob nun „heidnische Bräuche“, „germanische Fruchtbarkeitsfeiern“ oder verschiedene „antike Feste“ den eigentlichen Ursprung darstellen, ist nach wie vor Forschungsgegenstand der Wissenschaft.

 

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